Jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch die Gewalt ihres (Ex-)Partners

Gladbeck reiht sich ein in die traurige Statistik der Frauenmorde, auch Femizide genannt, die in Deutschland alle drei Tage geschehen: Erst im März diesen Jahres ermordete ein 81-Jähriger Zweckeler seine 73-Jährige Lebensgefährtin auf äußerst brutale Art und Weise (die WAZ berichtete). Siebeneinhalb Jahre Haft brachte ihm das ein – keine schönen Aussichten für den Lebensabend, doch der Frau blieb gar nichts. Ihr genau so wenig wie 135 ermordeter Frauen im Jahr 2019, die der Gewalt ihrer Partner oder Ex-Partner nicht entkamen. Und auch in diesem Jahr fielen bereits zahlreiche Frauen der Gewalt zum Opfer, wie Recherchen der AsF Gladbeck ergaben.

Der 25. November wurde also nicht ohne Grund zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ausgerufen. „Auch die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) Gladbeck möchte diesen Tag zum Anlass nehmen, an das Schicksal zahlreicher Frauen zu erinnern und auf die tägliche Gewalt aufmerksam zu machen“, sagt Nina Krüger, Vorsitzende der AsF Gladbeck. Der Jahresbericht 2019 des Bundeskriminalamts macht die Notwendigkeit deutlich: 141 000 Fälle polizeilich erfasster Fälle von Partnerschaftsgewalt gegen Frauen wurden erfasst. Das bedeutet, dass alle 45 Minuten eine Frau Opfer von versuchter oder vollendeter Gewalt wird. „Die Gewalt zeigt sich dabei in verschiedenen Eskalationsstufen und Formen. Von emotionaler Erpressung, über physische Auseinandersetzungen bis hin zum Mord ist das Spektrum der Gewalt gegen Frauen groß“, ergänzt Birgit Buschkowski, stellvertretende Vorsitzende der AsF Gladbeck.

2017 hat Deutschland die Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ratifiziert, die 2019 in Kraft getreten ist. Mit diesem Übereinkommen verpflichtet sich Deutschland dazu, auf allen staatlichen Ebenen alles dafür zu tun, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. „Trotzdem bleibt die Zahl der Femizide stabil, statt zu sinken. Frauenhäuser, die Frauen in Not aufnehmen sollen, sind überfüllt oder müssen Frauen sogar abweisen. Wir müssen mehr darüber sprechen und auf die Angebote für Frauen in Not wie das Hilfe-Telefon (08000-116 016) aufmerksam machen“, kommentiert Bettina Willing, stellvertretende Vorsitzende der AsF Gladbeck.

Dafür ist es wichtig, die Zahlen zu kennen. Die AsF Gladbeck hat deswegen in diesem Jahr mithilfe des Landtagsabgeordneten Michael Hübner (SPD) eine kleine Anfrage an die Landesregierung NRW gestellt. „Doch leider hat diese Anfrage keine interessanten Erkenntnisse gebracht“, bedauert Kira Bennarend, Schriftführerin der AsF Gladbeck. „Gewalt gegen Frauen wird in NRW nicht (digital) dokumentiert. Wir brauchen eine Stelle zur aktiven Umsetzung der Istanbul-Konvention im Kreis Recklinghausen, die konkrete Hilfsangebote sowie Maßnahmen vor Ort umsetzen kann. Nur so können wir auch Frauen in Gladbeck und im ganzen Kreis Recklinghausen helfen und Gewalt gegen Frauen entgegenwirken“, argumentiert Nina Krüger, AsF Vorsitzende.

Corona-bedingt muss die geplante Aktion der AsF in der Gladbecker Fußgängerzone zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen leider ausfallen. Stattdessen haben die Frauen der AsF das Schaufenster des SPD-Büros am Goetheplatz 11 mit Informationen rund um das Thema gestaltet. Sie laden Interessierte herzlich ein, sich ein wenig Zeit zu nehmen und sich mit diesem gerne verschwiegenen Thema zu befassen.