Auf dem Parteitag des SPD-Stadtverbands Gladbeck haben die Mitglieder den Weg für Veränderungen in der Partei freigemacht. In Richtung der Bundes- und Landespartei sagt Parteivorsitzender Jens Bennarend: „In einem Moment der Freiheit von Koalitions- und Regierungszwängen müssen wir uns mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammensetzen und uns programmatisch neu aufstellen.“ Die lebhafte Debatte der über 100 Delegierten im Kulturtempel Rentfort machte klar: Man will sich nicht auf Erfolgen ausruhen. Wenn sich die Problemlagen in der Stadtgesellschaft verändern, müsse man auch die eigene Programmatik weiterentwickeln.

Als größte Herausforderungen für Gladbeck nannte Bürgermeister Ulrich Roland in seinem Grußwort die Integration: „Dabei gilt es, zwei Ebenen zu unterscheiden: Zum einen die Integration der Neuankömmlinge, die wir seit 2015 in unserer Stadt begrüßen, und zum anderen die Integration jener, die seit Jahrzehnten bei uns leben. Es stellt sich die Frage, welche von beiden die größere Aufgabe sein wird.“ In diesem Zusammenhang kritisierte Roland Plakate zur Bundestagswahl, auf denen der türkische Staatspräsident abgebildet war. Dieser habe schließlich nicht zur Wahl gestanden. An die Delegierten richtete er den Appell: „Denen, die unsere demokratische Toleranz und Freiheit als naive Dummheit verstehen, müssen Grenzen aufgezeigt werden.“

Eine weitere Herausforderung der Stadt nannte der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion in Gladbeck, Michael Hübner: „Gladbecks finanzieller Rahmen ist auf Kreisliga-Niveau. Aber wir müssen Leistungen erbringen, die sind bundesligareif!“ Besonders hervorheben wollte er in diesem Zusammenhang, dass Bürgermeister und Stadtverwaltung 2018 das erste Mal seit den frühen Neunzigern einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt haben. „Das ist eine Leistung, die man nicht genug loben kann. Auch wenn unser Etat hart auf Kante genäht ist, können wir nur so unsere Handlungsfähigkeit erhalten.“ Als einen Impuls für die zukünftige Gestaltung unserer Stadt nannte Hübner die Ausbreitung der städtebaulichen Erneuerung auf möglichst viele Stadtteile. Erfolge wie beispielsweise die Neugestaltung der Innenstadt seien auch anderenorts in Gladbeck notwendig.

Erste Impulse, wie sich die Gladbecker SPD strukturell neu aufstellen und programmatisch weiterentwickeln möchte, nannte der Parteivorsitzende Bennarend: „Wir müssen wieder disziplinierter werden. Man muss uns auch wieder als Kümmerer wahrnehmen. Dafür sollten wir mehr Gesicht zeigen, Hausbesuche machen und in den Dialog treten.“ Viel Applaus und Lob gab es unter Delegierten für die Vorschlagsliste der Jusos. „Wir müssen jünger und weiblicher werden, unsere Angebote müssen mit der Zeit gehen. Die Partei darf nicht nur im Ortsverein oder in Kneipen stattfinden“, sagte der Gladbecker Juso-Vorsitzende Benedikt Kapteina. Dabei riefen die Delegierten jedoch auch in Erinnerung, dass die Partei die Interessen der Seniorinnen und Senioren nicht vergessen dürfe. Um die vielen Vorschläge zur Erneuerung der Partei umzusetzen, beschlossen die Delegierten die Einrichtung einer Strukturkommission. Der künftige Kurs der Gladbecker SPD solle zudem im Dialog mit möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern geführt werden.